Hält unsere Beziehung?

Von Birgit Ehrenberg

Das höchste Glück in der Liebe: Aus einem wunderbaren Augenblick möge eine wunderbare Ewigkeit werden

Das höchste Glück im Leben? Die Liebe. Wenn aus einem wunderbaren Augenblick eine wunderbare Ewigkeit wird. Aber viele Menschen scheitern, sie verlieren die Liebe, sie verlieren das Glück in der Liebe. Was machen sie falsch?

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Wenn ich das höchste Glück in der Liebe in einer glänzenden Vision zusammenfassen müsste, wäre es diese: Aus dem wunderbaren Augenblick möge eine wunderbare Ewigkeit werden. Ja: Liebe will sich in die Zukunft entfalten, will zeitlos sein, unbegrenzt, unvergänglich. Jede oder jeder, die oder der das hier liest, wird nicken und denken, genau, das wünsche ich mir von der Liebe, dass diese Seligkeit, die sie einem geben kann, bleibt, dieser unendliche Genuss, wenn ich mit dem Menschen, den ich liebe, der mich liebt, ganz eins bin, wenn kein Blatt zwischen uns passt.

Aus einem Versprechen, das auf Vertrauen basiert, gewinnt die Liebe letztlich ihre Kraft

Der Philosoph Alain Badiou, Verfasser des sehr empfehlenswerten Werks „Lob der Liebe“ kleidet diese menschliche Ur-Sehnsucht in folgende Worte: „Ich werde aus dem, was ein Zufall war, etwas anderes machen, ich werde daraus eine Dauer, eine Hartnäckigkeit, eine Verpflichtung, eine Treue machen. Liebe braucht eine gewisse Sturheit.“

Da spricht der Philosoph eine bedeutende Wahrheit aus, man muss sich in der Tat ordentlich in Zeug legen, stur sein, um der Vergänglichkeit der Liebe zu trotzen. Das tun auch viele Frauen und Männer, viele Liebende sind bemerkenswerte Idealisten, sie geben sich Mühe, die Liebe zu halten, sie werfen die Flinte nicht gleich ins Korn. Dennoch scheitern sie, sie verlieren die Liebe, sie verlieren das Glück in der Liebe. Was machen sie falsch? Die Gretchenfrage in der Liebe ist: Warum sträubt sie sich eigentlich gegen unsere Sehnsucht, sie zur Dauer zu machen?

In die Liebe „fallen“

Dieses Mysterium ist nur zu ergründen, wenn ich die Liebe selbst ergründe, wenn ich sie unter die Lupe nehme. Man muss kein Liebesexperte sein, um zu wissen: Liebe ist nicht gleich Liebe. Die ganz große Unterscheidung in der Liebe ist die zwischen Verliebtheit und Liebe. Sich verlieben, dafür gibt es den englischen Ausdruck „to fall in love“, das beschreibt den Vorgang des sich Verliebens mehr als treffend, die Verliebtheit kommt aus heiterem Himmel über einen, man kann sie sich nicht aussuchen, man fällt in sie hinein. Die Liebe kommt dann auf alle Fälle irgendwie später – wenn sie kommt. „Liebe ist ein Ereignis, aus dem eine Geschichte werden kann oder ein Geschick“, sagt die Philosophin Hannah Arendt , eine weitere große Wahrheit über die Liebe aus dem Geist der Philosophie.

Verliebtheitsphase oder Limerenz

Beim Übergang von der Verliebtheit zur Liebe wird es spannend, denn hier geht es nicht mehr darum, sich fallen zu lassen, sondern die Liebe in die Hand zu nehmen, sie zu gestalten. Die Psychologin Dorothy Tennov definiert die Phase der Verliebtheit als „Limerenz“, deren Symptome sind Aufregung, Schwärmen, Begehren, Leidenschaft. Die Hormone wirbeln uns durcheinander, wir sind wie Marionetten, fremdbestimmt.

Legt sich dieser Sturm, haben wir die Chance, die Phase der „richtigen“ Liebe einzuläuten. Wichtig dafür ist, dass man die vielleicht eintretende Enttäuschung überwindet, dass der erste große Rausch vorbei ist und womöglich bei einem neuen Partner den nächsten Rausch sucht. Wer das tut, lebt an der Liebe vorbei, verfehlt sie.

Phase der Vertrauensbildung

Statt einem erneuten Rausch hinterherzujagen, geht es vor den Toren der Liebe darum, sich selbst und sein Gegenüber in den Blick zu nehmen, sich auf sanfte Weise aneinander heranzutasten, Vertrauen zu entwickeln. Und aus dem Vertrauen heraus entwickelt sich Verlässlichkeit, Stabilität. Paare, die diese Stufe der Vertrauensbildung harmonisch durchlaufen, können von intensiven Glücksmomenten berichten. Vertrauen ist das Zauberwort für die Entstehung von Liebe.

Die Erfahrung, dass der andere nicht geht, weil man zum Beispiel einen schlechten Tag zusammen hatte, weil es Streit oder Langeweile oder Lustlosigkeit gab oder alles zusammen, die Erkenntnis, dass der geliebte Mensch bei einem bleibt, das zarte Anklingen der Eröffnung der Option „in guten wie in schlechten Zeiten“ ist unvergleichlich schön. Diese „Ouvertüre“ ist der Anfang der glänzenden Vision von der Dauer der Liebe. Hier beginnt ihre Zukunft. Hier hängt der Hammer der Liebe.

Das daraus entstehende Gefühl ist nicht zu vergleichen mit dem Rausch der Sinne der ersten Verliebtheit, aber es ist eine emotionale Wucht, die zwei Menschen zusammenschweißt, die sie bindet.

Phase von Commitment und gemeinsamen Zielen

Dieses Bewusstsein „Wir gehören zusammen“ ist der Beginn der dritten Phase der Liebe, sie ist geprägt von „Commitment“. Man bekennt sich zueinander, man bespricht, wie die Beziehung aussehen soll, man prüft sich auch, man schaut sich die Liebe genau an, passt sie wirklich? Aus diffusen Träumen werden handfeste Ziele, man formuliert sie, man macht Nägel mit Köpfen, ein Haus kaufen, eine Familie gründen. Man tut genau das, was die Liebe möchte, was man selbst von der Liebe möchte, man schafft Dauer.

Wir sehen: Es geht also, es läuft, man ist dem Verfall der Liebe keineswegs ausgeliefert, man ist nicht Spielball seiner wilden Gefühle, die kommen und gehen. Es ist möglich, für die eigene Liebesgeschichte die Regie zu übernehmen. Nicht die Liebe sträubt sich gegen die Dauer, wir sträuben uns oft dagegen, weil wir die Liebe nicht verstehen wollen! Da liegt der Bruch in der Glücks-Logik der Liebe.

Liebe verstehen lernen

Die Liebe verstehen, das bedeutet, man darf in einer Beziehung nicht den Punkt verpassen, wo sich die Verliebtheit aus der Liebe ausschleicht, man muss diesen Punkt im Auge haben und eben nicht als Verlust verstehen, sondern als Chance, man muss die Veränderung zulassen und annehmen. Es ist ja auch nicht so, dass diese rauschhaften Momente nicht wiederkommen können.

Die Macht einer Entscheidung: Der Wille ist der Motor der Liebe

Hat sich eine Liebe in die Dauer etabliert, hat sich diese Ur-Sehnsucht erfüllt, eröffnet sich auch wieder Raum für rauschhafte Momente. Natürlich ist die Phase der Vertrauensbildung und die Commitment-Phase nicht so romantisch und leidenschaftlich wie die Phase der Limerenz. Mir fällt dieses Bild ein: Diese Stabilisierungs-Phasen sind wie ein Hausbau, wie die Schaffung eines Fundaments.

Wenn man dann sozusagen „eingezogen“ ist in dieses Haus, kann sich aus der Sicherheit, dass die Liebe ein Dach hat, eine neue Leidenschaft entfalten, eine, die nach meinem Geschmack intensiver und glücksstiftender ist als die der Verliebtheitsphase. Denn diese ist oft von Angst geprägt, Verlustangst, Grübeln, Zweifel, ein Wechselbad der Gefühle, man kann kaum arbeiten und schlafen. Man ist glücklich, aber irgendwie auch von sich entfernt. Man ist blind vor Liebe, und Blindheit kann Angst machen.

Phase von Sicherheit und Beruhigung

Diese unendliche Beruhigung dagegen, dass alles danach aussieht, dass die Liebe bleibt, bringt einem nicht nur den Partner näher, sondern man kommt wieder zu sich selbst, aus dem erstarkten Wir gehen zwei erstarkte Ichs hervor, zwei Persönlichkeiten, die an der Liebe reifen. Was man dann auch wiederentdeckt, das ist die Freiheit, die für sich selbst und die, die dem man dem geliebten Gegenüber gönnt.

Diese herrliche Freiheit, die eine wahrhaftige Liebe, die Dauer hat, kennzeichnet und auszeichnet, ist eine ganz besondere, eine Art des liebevollen Loslassens, die nur gelingt, wenn man sich wirklich vertraut. Dazu muss man sich entschließen, man muss das wollen. Der Wille ist der Motor der Liebe.

Das Mysterium der Liebe ist am Ende des Tages die Macht einer Entscheidung. Die feierlichste Art, diese Entscheidung zu fällen und nach ihr zu leben, ist für die meisten Menschen die Ehe, mit der sie sich versprechen, dass sie aus dem Moment eine Ewigkeit zu machen gedenken,

Aus diesem Versprechen, das gleichermaßen auf Vertrauen und dem Geschenk der Freiheit fußt, gewinnt eine Liebe die Kraft, sich in die Zukunft zu entfalten sie dauerhaft zu erhellen, aus der glänzenden Vision wird eine glänzende Wirklichkeit.

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Basierend auf Erfahrungen aus der Paartherapie und wissenschaftlicher Forschung: Wo teilt ihr dir gleichen Werte? Wo ergänzt ihr euch? Bei welchen Unterschieden drohen Konflikte?

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