Unsere Beziehung ist langweilig geworden?

Von Eric Hegmann

Aus deiner Beziehung scheint die Luft raus? Langweilst du dich in deiner Partnerschaft? Erfahre, warum Menschen so sehr reizt, was sie nicht haben. Und wie leicht sie dadurch aus den Augen verlieren, dass sie schätzen und pflegen könnten, was sie haben.

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Menschen können nur begehen, was sie nicht haben. So heißt es. Eines der Geheimnisse glücklicher Langzeitpaare ist, gerade dennoch schätzen und lieben zu können, was man am Partner hat. Mit offenen Armen und dankbar die Geborgenheit und die Vertrautheit annehmen, die eine solche Beziehung mit sich bringt – und gleichzeitig die Leidenschaft am Leben zu erhalten mit einem Menschen, den man in und auswendig kennt, bei dem die Fantasie nicht mehr so viel Spielraum lässt, schließlich gibt es (fast) nichts, was man nicht bereits zusammen gemacht und erlebt hat.

Ist die Beziehung langweilig geworden?

Viele Paare erreichen diesen Punkt, wo man nicht mehr ständig übereinander herfallen muss, nach einigen Jahren der Beziehung. Bei machen nach einigen Jahren, bei anderen nach einem Jahrzehnt. Die erste Verliebtheit hat sich gewandelt in tiefe Zuneigung, die ersten Konflikte wurden ausgetragen und verhandelt, die rosarote Brille durch den euphorisierenden Cocktail von Liebeshormonen ist abgelegt und man erkennt aneinander durchaus unangenehme Wahrheiten – und kommt mit diesen klar … Kurz: Während du dich in der Limerenz-Phase (so heißt wissenschaftlich die Verliebtheitsphase der „rosaroten Brille) ja nun in einen sympathisch wirkenden Menschen verliebt hast, testest du in der Zeit danach aus, ob du auch mit dessen unsympathischen Seiten auf Dauer zurecht kommen wirst. Es prallen also nicht länger Verklärungen der Partner aufeinander, sondern deren Realitäts-Check. Und der muss zwangsläufig durch den Alltag und die Gewohnheit ernüchternder ausfallen.

Durch Achtsamkeit wird es auch in einer langen Beziehung nicht langweilig

Nach Jahren der Beziehung fragen sich viele, ob ihre Partnerwahl denn nun richtig war, ob dies der Mensch ist, mit dem man auch weitere Jahre gut befreundet sein und Bett und Tisch teilen möchte, vielleicht eine Familie gründen will. Je nach Persönlichkeit verhalten sich manche Menschen nun sehr abgeklärt, sie wägen ab, sortieren ihre Gedanken, vergleichen die Ziele und Lebenspläne des Partners mit den eigenen und entscheiden sich – hoffentlich – für ein gemeinsames Leben. Andere, die zuvor schlechte Beziehungserfahrungen gemacht haben und sich schützen möchten vor neuen Verletzungen, beobachten sehr, vielleicht sogar überkritisch genau, die Schwächen des Partners und zweifeln, ob es wirklich passt.

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Das Gras auf der anderen Seite ist nicht grüner

Wer nun an sich zweifelt, an der Beziehung, am Partner, der entdeckt häufig genau zu diesem Zeitpunkt, dass es auch noch andere Menschen gibt, die an einem Interesse haben und die als Partner zumindest theoretisch in Frage kommen könnten und passen würden. Arbeitskollegen erscheinen attraktiver als früher, beim Sport oder im Freundeskreis tauchen neue Personen auf, auf die man unbeschwerter und unvoreingenommener zugehen kann, weil man mit denen ja auch noch keine Diskussionen über Teilung der Haushaltsaufgaben führen musste und in der Fantasie – fast – alles möglich ist.

Affären entstehen nicht so häufig über Dating-Apps, wie viele denken. Es sind statistisch vielmehr Kontakte aus dem Freundesumfeld und der Arbeit, die sich langsam festigen und intensiver werden. Irgendwann spricht man dann über die Beziehung, wie zufrieden oder unzufrieden man eigentlich ist … Und dadurch entsteht mit dem Bekannten oder Kollegen eine Exklusivität außerhalb der Beziehung, die eigentlich in der Partnerschaft bleiben sollte: denn man spricht nun über etwas mit einer anderen Person, über das man mit dem eigenen Partner nicht spricht. Und man fühlt sich endlich wieder rundum verstanden. Das ist der Stoff, aus dem langjährige Affären entstehen, die – wenn sie auffliegen – nahezu immer die Beziehung zerstören. Die Reue kommt dann nach einigen Jahren, wenn sich der Zyklus wiederholt.

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Wenn Liebe und Sex langweilig werden

Aber auch wenn ich Dating-Apps nicht die ganz große Schuld an Untreue gebe (abgesehen von den echten Seitensprung-Apps, die nun offensichtlich genau ein Bedürfnis decken, das aber hier nicht das Thema ist): das Internet und die sozialen Medien spielen eine bedenkliche Rolle, wenn es um die Beziehungszufriedenheit geht. In einer Studie der Partneragentur ElitePartner sagten ein Drittel der Befragten, dass sie beeinflusst werden durch die Inszenierungen und Bilder von Paaren, die sie im Internet sehen. Das geschieht zwangsläufig, je mehr wir uns solchen Botschaften aussetzen. Es ist ja so: wenn Menschen Situationen festhalten und später posten, dann nahezu immer die schönen Momente. Ob gewollt oder unbewusst, wir inszenieren uns mit jedem Foto auf Instagram, mit jedem Posting bei Facebook. Und die meisten Bilder zeigen daher, wie schön das Leben sein kann. Für den Betrachter bedeutet das vor allem: wie schön das Leben der anderen sein kann.

Und da man in sozialen Medien sich aufhält, weil man – sei es durch Likes oder Kommentare – einen kleinen Boot des Egos erhalten möchte, einen kleinen Dopamin-Kick, wird automatisch die eigene Situation gegenüber der inszenierten Wirklichkeit abgewertet. „Das möchte ich auch!“, ist der eine Gedanke. „Warum habe ich das nicht?“, ist der andere. Bis hin zu: „Was stimmt nicht bei mir?“ „Ist mein Partner der Falsch oder der Richtige?“ Das Gras, das grüner erscheint, wurde mit einem Filter aufgenommen, das weiß der Betrachter natürlich durchaus, aber in der Masse der Bilderflut und in der Gewöhnung an die perfekten Motive macht es bald keinen Unterschied mehr und die Überzeugung festigt sich: Da draußen gibt es etwas, das schöner und spannender ist, als das, was ich habe.

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So wird es auch in einer langen Beziehung nicht langweilig

Die Lösung heißt Achtsamkeit. Denn wer den Partner und seine Beziehung nicht für selbstverständlich hält, der kann Glücksgefühle durch Dankbarkeit erleben. Es sind die vielen „kleinen“ Freuden, die liebevolle Nachricht in der Mittagspause, das überraschende Geschenk, der spontane Ausflug oder eine gemeinsame neue Entdeckung. Der Dopamin-Kick kommt dann beim Anblick des Partners.

Das ist nicht so einfach, wie es sich liest. Man kann nicht einfach den Schalter umlegen und sagen: Ich sehe jetzt nur noch die schönen Momente, erfreue mich an dem was ich habe und vergesse, was ich nicht haben kann. Zum einen ist das gefährlich, weil nun auch nicht jede Beziehung immer rundum super und gleichberechtigt läuft, und die muss dann durchaus verändert und verbessert werden, zum anderen funktionieren Menschen nun einmal nicht so. Menschen können leichter Energie aufwenden, um etwas Neues zu beginnen, als etwas Bestehendes zu verbessern. Viele Paare trennen sich in einer solchen Phase nach einigen Jahren nicht, weil sie wirklich unglücklich sind, sie trennen sich, weil sie vermuten, sie könnten in einer anderen Beziehung glücklicher werden.

Nun nehmen wir aber in eine neue Beziehung unsere eigenen Fehler und Schwächen mit. Wenn ich also mit meinem Partner heute zu selten über die gemeinsamen Wünsche und Fantasien spreche, um diese überhaupt zusammen ausleben zu können, so werde mich in der nächsten Beziehung kaum anders verhalten. Es erscheint vielleicht so zu Beginn, wenn man sich kennenlernt und alles voneinander erfahren möchte, aber das Muster wird sich wiederholen. Bis eben erneut der Rasen woanders irgendwie grüner aussieht.

Deshalb: tu etwas für deinen eigenen Rasen. Pflege deine Beziehung. Mache daraus den schönsten Garten, den du gemeinsam anlegen kannst. Denk daran, dass es nicht die Momentaufnahme ist, die am Ende zählt und deine Beziehungszufriedenheit ausmacht, sondern wie sich der Weg dorthin anfühlt. Das Traumpaar mit dem tollen Strandfoto auf Instagram hat sich vielleicht stundenlang gestritten, weil es den Weg nicht gefunden hat, für ein Lächeln und eine Pose, die nur eine Sekunde Bestand hatte. Konzentriere dich lieber auf die Reise: die dauert länger und ist deutlich befriedigender, wenn sie beiden Partnern Freude bereitet. Finde Spaß am Gärtnern mit deinem Partner – bevor du ein Auge auf andere Gärten wirfst.

Tipps gegen Langeweile in der Beziehung

Was möchtest du tun? Es als normal hinnehmen, dass die Beziehung langweilig geworden ist („So ist das halt irgendwann nach ein paar Jahren, das geht doch allen so“) oder alles daran setzen, neuen Schwung in die Beziehung zu bekommen?

  • Probiert neue Dinge aus
    Nicht nur beim Sex, aber auch. Erlebt euch wieder gemeinsam in neuen Situationen, in denen ihr unbekanntes Terrain betretet. Das kann alles sein, Hauptsache es ist etwas, das im Alltagstrott zu kurz kam. Ihr könnt gemeinsam neue Sprachen lernen oder neue Sportarten ausprobieren, neue Bars und Restaurants erkunden und zuhause die besten Gerichte und Cocktails nachmachen. Lasst euch inspirieren von den Bildern, die ihr seht und nicht demotivieren!
  • Sprecht zugewandt miteinander
    Jedes Mal, wenn ihr euch ansprecht – und sei der Anlass noch so nichtig – bemüht ihr euch um eine Verbindung. „Sieh mal, was ich gerade gelesen habe!“ ist ein solcher Bid of Connection, ebenso wie eine Textnachricht ins Büro. Erfolgreiche Paare kommunizieren zugewandt miteinander. Das bedeutet: Sie reagieren auf eine solche Bemühung des Partners positiv und gehen auf ihn und seine Botschaft ein. Der amerikanische Forscher Professor John Gottman hat berechnet, dass die Paare, die auch nach Jahren noch verliebt ineinander sind, in 86% solche Zuwendungen auf den Partner eingehen!
  • Pflegt Körperkontakt
    Wenn ihr kuschelt, euch zu Begrüßung und Abschied küsst und umarmt oder auch Händchen haltend spazieren geht, dann sagt ihr damit: „Ich mag dich anfassen. Du bist okay.“ Und umgekehrt erfahrt ihr dasselbe durch euren Partner. Jeder Körperkontakt ist eine Bestätigung von Zuneigung und gleichzeitig der Beweis, dass sich die Investition in eure Beziehung auszahlt. So haltet ihr den Optimismus bei, den ihr braucht, um euch dauerhaft umeinander zu bemühen.
  • Lernt und pflegt eure Liebessprachen
    In Paarberatung, Paartherapie und Beziehungs-Coaching nimmt das Modell der 5 Sprachen der Liebe inzwischen einen festen Platz ein. Der Therapeut Gary Chapman hat es populär gemacht und damit Paaren weltweit geholfen, Gefühle besser zu verstehen. Das sind die 5 Sprachen der Liebe: Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft und Zärtlichkeit. Ein klassisches Missverständnis entsteht, wenn ein Partner Intimität als Liebesbeweis erlebt und der andere Unterstützung und Anerkennung viel wichtiger für seine Zufriedenheit wahrnimmt. Oder wenn Hilfsbereitschaft als Sprache der Liebe nicht erkannt wird, weil Zeit zu zweit fehlt. Welche der 5 Sprachen der Liebe sprichst du? Mach den Online Test