Kommunikation

Richtig miteinander reden

Von Eric Hegmann

Immerhin um die 100 Minuten pro Tag sprechen Partner miteinander, sagen Studien

Viele Paare sind unzufrieden wegen Kommunikationsproblemen. Sie reden nicht richtig miteinander, die Partner verstehen einander falsch. Wie du richtig kommunizierst und dich wieder verstanden fühlst.

Inhaltsübersicht:

 

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Wie kommunizieren Paare richtig?

Paarkommunikation besteht nicht nur aus Worten, dennoch denken die meisten Menschen zunächst ausschließlich an das gesprochene Wort. Dabei gehören die Körperhaltung, die Mimik, die Gestik, kurz alle körperlichen Ausdrucksformen, zur Kommunikation dazu. „Wir können nicht nicht kommunizieren“, sagte der Psychotherapeut und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick. „Denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.“ Paare kennen das. Ein Partner spricht, der andere schaut aufs Smartphone. Es wirkt so, als würde nur einer kommunizieren. Dabei sagt ein Partner ganz deutlich: „Das Gespräch mit dir ist mir nicht so wichtig wie das, was ich hier gerade lese oder mache. Du bist gerade nicht meine Priorität.“ Er spricht es nur nicht aus.

Richtig miteinander reden in der Beziehung ist gar nicht so schwer und lässt sich lernen und üben

Paarkommunikation in Theorie und Praxis

Die Kommunikationswissenschaften kennen viele Modelle. In der Paartherapie kommen heute vor allem jene zur Anwendung, die den Fokus auf verbindende und trennende Kommunikationsformen sowie auf das individuelle Bedürfnis nach Nähe und Distanz legen.

Friedemann Schulz von Thun spricht beispielsweise in seinem 4-Ohren Modell von vier Ebenen jeder Kommunikation. Wir hören also auf verschiedenen Ebenen:

  • Auf der Sachebene,
  • auf der Beziehungsebene,
  • über uns selbst
  • und was wir uns wünschen.

Jede Nachricht beinhaltet danach mehrere Aspekte, die jeweils aus der Perspektive des Senders und aus der des Empfängers betrachtet werden. Wer nun was versteht, hängt zusammen mit den Persönlichkeitseigenschaften von Sender und Empfänger, ihren individuellen und gemeinsamen Erfahrungen, der Situation, in der die Nachricht kommuniziert wird und von der erhofften oder befürchteten Veränderung, die durch die Nachricht eingeleitet wurde. Mit allem, was wir sagen, geben wir etwas preis über uns und wir machen deutlich, was wir uns vom Gesprächspartner wünschen. Selbst in den kleinsten Sätzen. „Schatz, mir ist kalt!“, kann zunächst wirklich nur bedeuten: „Brr. Das ist schattig hier.“ Es kann aber ebenso bedeuten: „Ich sitze so gemütlich, bring mir meine Jacke!“

Ein anderes Kommunikations-Modell stammt von Professor John Gottman. Er unterscheidet zwischen einer zugewandten, einer gleichgültigen und einer abwertenden Kommunikation. Was das Modell so einprägsam macht: Es stammt originär aus der Beziehungs-Praxis und dem Alltag.

Stell dir vor: Ihr geht spazieren, dir ist kalt. Nicht nur bemerkt dein Partner das, er schlägt auch gleich vor, ins nächste Café zu gehen und will dich zu einem heißen Getränk einladen. Das ist zugewandte Kommunikation: aufmerksam, kreativ und fürsorglich. Gleichgültige Kommunikation wäre, wenn du sagst, dir ist kalt und er antwortet: „Ja, ziemlich frisch heute.“ Und abwertende, abgewandte Kommunikation wäre, würde er sagen: „Warum hast du dir nicht etwas Wärmeres angezogen?“ Ein Paar, das gleichgültig miteinander umgeht, hat einen schweren Weg vor sich, doch mit etwas Initiative und Aufmerksamkeitsübungen lässt sich da noch viel richten und verändern. Ein Paar, das jedoch abwertend miteinander umgeht, das ist bereits voneinander genervt und sieht wenig Positives mehr aneinander. Abwertung ist einer der „4 apokalyptischen Reiter der Paarkommunikation„, eine Verhaltensweise, die statistisch messbar toxische Beziehungen beschreibt. Da ist es häufig bereits zu spät für das Paar.

In Paarberatung, Paartherapie und Beziehungs-Coaching nimmt das Modell der 5 Sprachen der Liebe inzwischen einen festen Platz ein. Der Therapeut Gary Chapman hat es populär gemacht und damit Paaren weltweit geholfen, Gefühle besser zu verstehen. Du musst dabei nur noch herausfinden, welche Sprache der Liebe dich besonders glücklich macht (und deshalb viel Energie liefert) und welche dein Partner bevorzugt. Die 5 Sprachen der Liebe sind:

  • Lob und Anerkennung
  • Unterstützung
  • Zeit zu zweit
  • Intimität bzw. Zärtlichkeit
  • Kleine Aufmerksamkeiten

Glückliche Paare zeichnen sich durch eine offene, fürsorgliche und zugewandte Kommunikation aus

Was tun, wenn der Partner nicht zuhört?

01. Prüfe, ob dein Partner emotional überladen ist

Nicht nur, aber vor allem Männer, schalten bei Kommunikation, die sie als verbale Attacke erleben, ab. Das liegt u.a. an den Stresshormonen im Gehirn, die bei Frauen – statistisch gesehen – schneller abgebaut werden. „Um den Block gehen“, hilft tatsächlich, denn das unterstützt den Stoffwechsel. Nicht immer ist erkennbar, ob der Gesprächspartner einfach in Gedanken „woanders“ ist, oder ob er so aufgeladen ist, dass sein System „eingefroren“ ist. Kommt das öfter vor, dann versuche neue Kommunikationsstrategien. Mit den bisherigen kommst du dann nämlich nicht weiter. (Und nein, noch mehr Druck würde zu noch mehr Rückzug führen!)

02. Bitte deinen Partner um Feedback zum Gesagten

Starte nicht mit: „Hast du mich verstanden?“ Wenn die Stimmung sowieso schon angespannt ist, dann kommst du damit aggressiv rüber. Besser: „Kannst du meine Sicht nachvollziehen?“ oder „Auch wenn du meine Gefühle nicht teilst in diesem Moment, kannst du sie mir glauben?“ Ideal wäre, wenn dein Partner nun nicht nur mit „ja“ oder „nein“ antwortet, sondern auch noch zusammenfasst, was er verstanden hat, von dem, was du gesagt hast. Das kannst du aber schwerlich einfordern, das müsst ihr als Paar erst einmal üben, denn es fühlt sich zunächst befremdlich an. Du kannst es aber vormachen, oft hilft das bereits. Denn wenn dein Partner merkt, dass er damit besser durchkommt bei dir, dann wird es es umgekehrt höchstwahrscheinlich auch bei dir versuchen.

03. Abbrechen und Neustart zu einem anderen Zeitpunkt

Gerade wenn du aufgewühlt bist, der Konflikt genau jetzt unter deinen Nägeln brennt und du endlich eine Lösung willst: Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Ist dein Partner nicht bereit, dann kannst du ihn nicht dazu zwingen. Was in seinem Kopf vorgeht, das ist das Ergebnis seiner Lebens- und Beziehungserfahrung. Das bekommst du nicht umprogrammiert in diesem Moment. Vereinbare einen neuen Gesprächstermin. Lass vielleicht auch ihn mit einem Vorschlag auf dich zukommen. Dann aber setze eine (nicht zu enge) Frist, denn gerade Menschen, die auf Forderungen mit heftigem Rückzug reagieren, hoffen oft, dass der Konflikt von alleine vorübergeht, wenn man ihn nie wieder anspricht. Das ist eine Schutzstrategie, um Harmonie zu bewahren. Eine Schutzstrategie, die dich möglicherweise rasend macht, aber ganz genauso wäre deine Strategie, auf dem Gespräch jetzt zu bestehen, etwas, das deinen Partner rasend macht. Deshalb kommt ihr nämlich nicht weiter.

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Dieser Online Kurs funktioniert wie ein professionelles Beziehungs- und Kommunikations-Coaching. Darin stecken über ein Jahrzehnt Erfahrung aus Paarberatung und Paartherapie und zahlreiche garantiert erfolgreiche Methoden (z.B. nach Prof. Gottman, Schulz von Thun oder Sue Johnson). Du lernst erprobte Werkzeuge aus der Paartherapie kennen, mit denen du auch alleine eure Liebe krisensicher und liebevoller machen kannst.

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Quellen: Paul Watzlawik: Die Möglichkeit des Andersseins – Zur Technik der therapeutischen Kommunikation. 1977, Huber Verlag; Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden. 2010, Rowohlt Verlag; John Gottman: Die 7 Geheimnisse einer glücklichen Ehe. 2002, Ullstein; Gary Chapman: Die 5 Sprachen der Liebe. 2010, Francke