Trennung entscheiden

Trennung? Ist meine Beziehung am Ende?

Von Eric Hegmann

Manchmal ist der Weg als Paar steinig. Ab wann solltest du dich trennen?

Trennen oder zusammenbleiben? Zweifelst du an deiner Beziehung? Bist du in deiner Partnerschaft unglücklich, aber kannst dich nicht entscheiden? Hältst du an einer unglücklichen Beziehung fest? Warum das so ist und wie du Klarheit findest, ob du dich besser trennen solltest.

Inhaltsübersicht:

 

Auch in einer Beziehung kannst du dich einsam und alleine fühlen. Wenn dein Partner dich für selbstverständlich nimmt, wenn Entscheidungen über deinen Kopf hinweg gefällt werden, die eigentlich euch beide betreffen. Wenn immer etwas oder jemand wichtiger ist als du und du keine Priorität, sondern höchstens noch eine Option bist.

In solchen Momenten fragst du dich: Warum investiere ich noch in diese Beziehung? Soll ich bleiben oder lieber gehen? Kann und will ich mir und uns noch eine Chance geben?

Bereits die Frage „Soll ich mich trennen?“ ist selbstverständlich ein Warnzeichen, dass die Beziehung nicht mehr rund läuft. Aber ist jeder Gedanke an Trennung bereits das sichere Beziehungsaus? Nicht zwingend. Denn im Streit kann durchaus der Gedanke durch den Kopf schießen: „Ich will hier raus!“ Aber das ist – hoffentlich – nur ein kurzer Flucht-Impuls, der einsetzt, um dem Konflikt zu entkommen.

Eine Trennungsentscheidung solltest du dir nicht leicht machen. Denn deine Liebe ist es wert, dass du dich um sie bemühst. Gleichzeitig solltest du aber diese Entscheidung nicht quälend lange aufschieben, denn damit verletzt du dich – und deinen Partner – länger und mehr als nötig.

Warum fällt eine Trennung so verdammt schwer?

Zunächst ist Trennung evolutionär etwas, das grundsätzlich bedrohlich wirkt. Wer früher von der Gruppe ausgestoßen oder allein gelassen wurde, konnte nicht überleben. Entsprechend reagieren wir auf Verlassen werden mit Schock und manche sogar mit traumatischen Belastungsstörungen. Nach Forschungen von Julie Schwartz und John Gottman nehmen solche Fälle zu. Ganz besonders gefährdet sind jene, die von ihrem Partner lange betrogen wurden und beim Auffliegen der Affäre die eigene Wahrnehmung in Frage stellen: „Was stimmt nicht mit mir, dass ich das nicht bemerkt habe? Warum bin ich nicht gut genug eine Beziehung zu führen?“ Diese Selbstzweifel können dazu führen, dass die Betroffenen im Geist die Trennungssituation immer wieder durchleben müssen. Das will man weder sich noch dem ehemals geliebten Partner antun.

Ob du dich trennen sollst und willst, hat mit der Gesamtbilanz des Paares zu tun: Ich erlebe in der Paarberatung häufig, beispielsweise wenn es um Untreue oder eine Affäre geht, dass sehr lange von den Partnern abgeglichen wird, ob nicht aus der Distanz betrachtet die guten Erfahrungen überwiegen und ob nicht die gemeinsam erreichten Ziele wichtiger sein könnten als die Kränkung und der Betrug: Nicht nur gemeinsame Kinder oder geschaffener Besitz, auch gemeinsame Erlebnisse zählen dazu. Im Moment der Kränkung ist der Schlussstrich rasch gezogen. Mit etwas Abstand und dem ersten Vermissen, sieht das oft anders aus.

Eine schwere Entscheidung: Gehen wir zusammen weiter oder getrennte Wege?

Du willst gehen, aber du zweifelst, ob das richtig ist

Ein wichtiger Aspekt dabei ist gewiss die Gewöhnung. Menschen passen sich schnell und gut an. Sogar in unglücklichen Beziehungen höre ich Partner oft sagen: „Hier kenne ich die Probleme und weiß, mit ihnen umzugehen, in einer neuen Beziehung tausche ich nur die Konflikte und muss neu lernen.“ Emotionale Abhängigkeit kann in solchen Fällen eine Rolle spielen, vielleicht sind die Betroffenen Ko-Abhängige in einer emotional abhängigen Beziehung – aber das lässt sich nur im Einzelfall beantworten.

Und dann ist da ja auch noch die Hoffnung. Eigentlich etwas Wundervolles. Die Hoffnung lässt uns durchhalten, mobilisiert ungeahnte Kräfte – und kann gleichzeitig eine Trennung unerträglich in die Länge ziehen. Denn wenn du hoffst, dass sich dein Partner doch noch ändern würde, dann wirst du mit größter Wahrscheinlichkeit enttäuscht werden. Das Abwarten wird dann zur Qual.

Wenn du dein eigenes Verhalten reflektierst, dann suchst die Schuld an deinen Beziehungsproblemen nicht allein bei deinem Partner. Das ist zunächst etwas Gutes, denn Selbstzweifel über den eigenen Anteil an den Konflikten verhindern eine vorschnelle Reaktion. Allerdings kannst du Dinge auch zerdenken. Dann drehen sich deine Gedanken im Kreis, ohne dass du einer Lösung oder Erkenntnis irgendwie näherkommst.

Weshalb du auch nicht so einfach gehen kannst, selbst wenn du es vielleicht vorhast: Deine Liebe und deine Bindung zu deinem Partner lassen sich nicht wie einen Lichtschalter ausknipsen. Das führt zu dem Wunsch, die Zeit zurückdrehen zu wollen, um wieder glücklich verliebt sein zu können wie damals, als ihr euch kennengelernt habt. Als ihr nicht genug voneinander bekommen konntet, als ihr die Nächte durchgequatscht habt, weil ihr noch mehr voneinander erfahren wolltet. Die Erkenntnis, dass dies nicht möglich ist, kommt häufig quälend langsam.

Warum kann ich mich nicht trennen?

Eine Trennungsverhinderung hat auch existentielle Gründe: Eine Scheidung kann teuer zu stehen kommen. Wie geht es das Leben weiter, wenn aus einem Haushalt zwei werden und wer zahlt das zweite Sofa, den zweiten Tisch, das zweite Bett? Wer unterstützt wen – und wie lange? Ein Partner, der weniger verdient, steht vielleicht vor dem materiellen Nichts.

Eine Trennung sollte man sich nicht leicht machen und gut abwägen, ob die Konflikte nicht dich gelöst werden können

Und natürlich: Gemeinsame Kinder machen eine Trennung nicht leichter. „Wir möchten unseren Kindern keine kaputte Familie antun. Sie sollen keine Scheidungskinder werden.“ Das sagen viele Paare. Die Absicht dahinter ist klar: Der Wunsch, den Kindern das Beste zu bieten. Allerdings warne ich davor zu denken, das Aufrechterhalten einer zerrütteten Partnerschaft würde Kinder weniger belasten als getrennte Elternteile, die glücklich werden. Studien zeigen, dass das Leid nachlassen kann, wenn Mutter und Vater getrennte Wege gehen, solange sie sich beide um die Kinder kümmern und nicht länger streiten. Es besteht die Gefahr, dass Kinder vermuten, sie seien der Anlass des Streits, und traumatisiert werden. Eltern, die sich trennen, können auch mit ihrem Verhalten vorleben, dass man sich nicht mit einer unglücklich machenden Situation abfinden muss. Dass man nicht alles ertragen muss. Und seinen Kindern etwas vorspielen, das bringt sowieso nichts. Sie merken es sowieso und werden vielleicht ihren Eltern irgendwann vorwerfen, angelogen und betrogen worden zu sein.

Schließlich noch ein wichtiger Grund von Frauen sich nicht zu trennen: Angst. Viele Frauen müssen Gewalt oder Schlimmeres befürchten, wenn sie sich trennen. Sie benötigen Unterstützung und Schutz. Die Zahlen der Frauen, die von ihren Partnern oder Ex-Partnern verletzt werden, sind erschreckend.

Manchmal ist das Bleiben in einer Beziehung auch falsche Rücksichtnahme oder Mitleid und keine Liebe mehr. Wenn du aber tiefer in dich hineinblickst, dann wirst du vielleicht feststellen, dass du dieses Mitgefühl vorschiebst, um dich nicht schuldig fühlen zu müssen. Wenn du denkst oder sagst: „Ich trenne mich nicht, um meinen Partner nicht zu verletzen“, dann ist das weniger Mitleid, sondern eher Selbstmitleid. Dahinter steckt die Furcht vor den Reaktionen des Partners, seinem Schmerz, vielleicht seiner Überraschung, vielleicht vor seinen Bemühungen die Beziehung zu retten, mit denen du lieber nicht konfrontiert werden möchtest.

Unglücklich, die Beziehung funktioniert nicht

Wer in einer unglücklich machenden Beziehung bleibt, gibt häufig an, er würde ganz selbstlos die eigenen Wünsche und Vorstellungen hinter die Bedürfnisse des Partners stellen. Das klingt großmütig, aber oft ist es das gar nicht wirklich. Viele geben das vor und sicher glauben viele das auch. Doch aus der Distanz betrachtet: sie machen das, weil sie in der Abwägung „Gehen oder Bleiben?“ einen wie auch immer gearteten Vorteil im Bleiben vermuten. Oft ist das die Angst vor dem Neuen. So schrecklich das Bewährte sein mag: Es ist vertraut, du weißt, wie du dich in deiner so genannten Komfortzone arrangieren kannst – obwohl diese von außen betrachtet vermutlich keine Spur komfortabel ist.

Nur nicht zu früh hinwerfen. Oft ist bleiben doch besser als sich trennen.

Wo kannst du dir Hilfe holen, wann du dich trennen willst, es aber nicht schaffst? Es gibt in den größeren Städten für Opfer häuslicher Gewalt Anlaufstellen für Frauen und Männer. Viele Psychologen und Therapeuten bieten heute auch Trennungsbegleitung an.

Paartherapie ist natürlich anzuraten, solange beide Partner bereit sind, ihrer Beziehung noch eine Chance zu geben. Hat jedoch dein Partner oder du bereits innerlich aufgekündigt, dann ist möglicherweise eine Mediation anzuraten, um euch die Trennung zu erleichtern und damit auch – und das ist sehr wichtig für eure Zukunft – den Mut und das Vertrauen in Liebesbeziehungen zu erhalten. Sonst entwickelst du vielleicht – unbewusst – Bindungsangst und lässt niemanden mehr nahe genug an dich heran, nur um nicht wieder verletzt zu werden.

Der Test: Gehen oder bleiben?

Um sich überhaupt erst einmal Klarheit zu verschaffen, ob die Trennung nötig ist, gibt es reichlich seriöse Literatur. Wenn du dich mit Trennungsgedanken beschäftigst, möchtest du aber vielleicht keine Bibliothek durchlesen. Deshalb haben wir basierend u.a. auf Studien von John Gottman, Sue Johnson und Amir Levine sowie Erkenntnissen der Integrativen und der Emotionsfokussierten Paartherapie den Online Beziehungstest „Gehen oder bleiben“ entwickelt. In mehreren Lektionen und Tests werden deine Fragen beantwortet:

  • Wie gut kennst du deinen Partner?
  • Bist du glücklich in deiner Beziehung?
  • Wie erlebst du deine Beziehung?
  • Ist aus eurer Beziehung die Luft raus?
  • Wie stehen eure Chancen?
  • Ist eure Beziehung beständig?
  • Wie befriedigend erlebst du eure Intimität?

Gehen oder bleiben? – Woran erkennst du, ob deine Beziehung am Ende ist?

Wann ist eine Beziehung am Ende? Wann lässt sich die Liebe retten? Du zweifelst an deiner Partnerschaft und weißt nicht, ob du sie aufgeben sollst? Dieser mehrstufige Test misst deine Paar-Dynamik, eure Beziehungszufriedenheit und euer Entwicklungspotential. Eine seriöse Einschätzung deiner Beziehung auf Basis aktueller und erprobter Paarforschung.

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