Liebeskummer und Depressionen: Bin ich traurig oder depressiv?

Von Modern Love School Redaktion

Liebeskummer und Depressionen: Wer nach vielen Wochen immer noch keinen positiven Gedanken fassen kann, der rutscht vielleicht gerade in eine Depression und sollte etwas unternehmen.

Menschen mit Liebeskummer haben viel gemeinsam. Trotzdem erlebt jeder den Verlust des geliebten Menschen anders, je nach Länge der Beziehung, den Umständen der Trennung, den Erfahrungen mit Bindungen in der Kindheit und den persönlichen Fähigkeiten, mit Krisen zurecht zu kommen. Bei einigen Menschen kann der Verlust Depressionen auslösen.

Inhaltsübersicht

Was ist der Unterschied zwischen Liebeskummer und Depressionen?

Liebeskummer und Depressionen ähneln sich zeitweise

Wenn wir traurig und niedergeschlagen sind, dann lässt sich ein Unterschied zwischen Liebeskummer und Depressionen erst mal gar nicht erkennen. Der Verlust des geliebten Menschen verursacht zeitweise starke seelische und körperliche Schmerzen, die in besonders schweren Momenten einen depressiven Charakter haben. Momente, in denen wir uns existentiell bedroht fühlen, in denen wir eine große Leere spüren und nicht wissen, wie und womit wir diese Leere wieder füllen können. Momente, in denen wir alles ums uns herum ausblenden, gar nichts mehr wahrnehmen, weil uns alles unwichtig und sinnlos erscheint. Das Liebste wurde uns genommen, alles andere ist in diesen Momenten eigentlich egal.

Erst mit der Zeit lässt sich ein Unterschied zwischen Liebeskummer und Depressionen erkennen

Der große Unterschied zwischen Liebeskummer und Depressionen ist jedoch, dass der Liebeskummer ein Prozess ist, in dem wir uns wieder neu an die Realität anpassen, die Lücke füllen, uns neu erfinden, uns selbst als Partner sehen, mit wir uns gemeinsam aus dem Loch herausziehen. In diesem Prozess gibt es depressive Momente, die aber mit der Zeit nachlassen, wir beginnen ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Nach ein paar Wochen entdecken wir wieder Dinge, die Spaß machen. Wenn auch erst mal nur für einen Moment. Wir schaffen es Schritt für Schritt und von Woche zu Woche, uns von den negativen Gedanken zu lösen und gewinnen Abstand zum Trennungsgeschehen. So weit, dass wir akzeptieren, dass es vorbei ist.

Wenn die Niedergeschlagenheit nicht aufhört

Gelingt es uns nach vielen Wochen nicht, in diesen Prozess der Anpassung hineinzukommen, dann besteht die Gefahr, dass wir im negativen Gedankenkarussell bleiben. Eine genaue Zeitangabe dafür gibt es nicht, denn die Intensität des Liebeskummers ist von Mensch zu Mensch verschieden – je nach Länge der Beziehung, den Umständen der Trennung, dem Bindungsstil und den Beziehungs- und Trennungserfahrungen. Psychologen sprechen oft von 6 bis 8 Wochen, nach denen man sich schon besser fühlen sollte. Aber das ist nur ein Durchschnitts- oder Richtwert. Jeder braucht seine Zeit.

Wer sich über Wochen sehr niedergeschlagen fühlt, der sollte sich mit der Frage beschäftigen, ob er oder sie depressiv ist.

Was ist eine Depression?

Liebeskummer kann als eine temporäre depressive Verstimmung gesehen werden

Auch wenn man es zuerst gar nicht glauben kann: Liebeskummer ist eine vorübergehende Phase der Niedergeschlagenheit. Eine tiefe Enttäuschung und Kränkung die dazu führt, dass man sich über kaum etwas freuen kann. Im Liebeskummer gibt es Momente, vielleicht sogar Tage, an denen wir uns deprimiert oder depressiv fühlen. Liebeskummer ist eine komplexe Aufgabe, die man aber in einer bestimmten Zeit – für den einen kürzer, für den anderen länger – lösen kann. Alleine, mit der Unterstützung von Familie und Freunden, oder mit Unterstützung unseres Onlinekurses „In 6 Schritten den Liebeskummer loswerden“, der eine sehr gut strukturierte Anleitung zur Selbsthilfe bietet.

Depressionen erdrücken dauerhaft

Eine Depression aber ist eine Erkrankung, bei der du aus der Niedergeschlagenheit ohne Hilfe nicht mehr herauskommst. Die negativen Gedanken sind schwerer und erdrückender und beeinflussen das gesamte Erleben und deinen gesamten Alltag ohne Veränderung. Je länger du mit einer Depression lebst, ohne dass sie professionell behandelt wird, desto schwerer und erdrückender kann sie seelisch und körperlich werden.

Depressive gelten zu Unrecht als nicht leistungsfähig

Viele Menschen, die unter einer Depression leiden, haben Angst vor dieser Diagnose, weil eine Depression in unserer Gesellschaft immer noch häufig stigmatisiert wird. Depressive Menschen gelten in den Augen vieler leider als nicht leistungsfähig, was natürlich überhaupt nicht stimmt. Auf jeden Fall sind Menschen, die an einer Depression erkranken, damit nicht alleine: In Deutschland erkranken zurzeit über 5 Millionen Menschen im Laufe eines Jahres an einer Depression, die behandelt werden muss – und behandelt werden kann.

Wie finde ich heraus, ob ich depressiv bin?

Depressionen mit einem Selbsttest erkennen

Im ersten Schritt kann jeder selber herausfinden, ob er oder sie möglicherweise depressiv ist oder nicht. Die „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“ bietet einen Selbsttest, mit dem du anhand von zehn Kriterien prüfen kannst, ob du eventuell unter einer depressiven Erkrankung oder einer Depression leidest. Die Ergebnisse liefern dir eine erste grobe Orientierung. Deuten Sie auf eine Depression hin, dann solltest du dich für ein persönliches Gespräch und eine persönliche Diagnose an eine psychotherapeutische Beratung, an eine/n psychotherapeutische/n Facharzt/Fachärztin oder an eine/n psychologischen Psychotherapeuten wenden.

Zehn Kriterien geben Orientierung, ob du depressiv sein könntest

Zur groben Orientierung: Wenn du zwei der Punkte 1 bis 10 ODER nur Punkt 10 mit Ja beantwortest, dann solltest du sehr bald etwas unternehmen.

Die Frage lautet: Leidest du seit mindestens zwei Wochen unter …

  1. einer gedrückten Stimmung
  2. Interessenlosigkeit und/oder Freudlosigkeit, auch bei sonst angenehmen Ereignissen
  3. Schwunglosigkeit und/oder bleierner Müdigkeit und/oder innerer Unruhe
  4. fehlendem Selbstvertrauen und/oder fehlendem Selbstwertgefühl
  5. einer verminderten Konzentrationsfähigkeit und/oder starker Grübelneigung und/oder Unsicherheit beim Treffen von Entscheidungen
  6. starken Schuldgefühlen und/oder vermehrter Selbstkritik
  7. negativen Zukunftsperspektiven und/oder Hoffnungslosigkeit
  8. hartnäckigen Schlafstörungen
  9. einem verminderten Appetit
  10. tiefer Verzweiflung und/oder Todesgedanken

Du kannst den Test auch anonym bei der „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“ als Online-Selbsttest machen. Die Website bietet darüber hinaus sehr viele Informationen über Depressionen in verschiedenen Lebenssituationen, über Ursachen, Auslöser, Behandlungsmöglichkeiten und Hilfsangebote.

Depressionen lassen sich sehr gut mit einer Psychotherapie behandeln.

Was kann ich bei Depressionen tun?

Wer dich bei den ersten Schritten beraten kann

Der erste Schritt ist ein Gespräch über Liebeskummer und Depressionen mit deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin, die sich zunächst ein eigenes Bild verschaffen und eine Diagnose erstellen, und dich dann an eine/n Facharzt/Fachärztin für Psychotherapie oder ein/n Psychotherapeuten/in überweisen.

Wenn du möchtest, kannst du dich auch direkten an eine/n Facharzt/Fachärztin für Psychotherapie oder ein/n psychologische/n Psychotherapeuten/in wenden. Eine schwache Depression wird meistens mit einer Psychotherapie in Form einer Gesprächstherapie behandelt – die Behandlung wird aber immer individuell auf dich abgestimmt. Mittlere oder schwere Depressionen mit oder ohne psychotische Symptome werden meist erst mit Medikamenten behandelt, um dann eine unterstützende, psychotherapeutische Begleitung zu ermöglichen. Es ist auch vollkommen normal, für die Behandlung mehrere Therapeuten/Therapeutinnen zu besuchen, um herauszufinden ob die Chemie stimmt.

Wer noch unentschlossen ist oder noch Fragen hat, die er gerne vorher beantwortet haben möchte, der kann sich (auch anonym) an das Info-Telefon Depression der „Deutschen Stiftung Depressionshilfe“ wenden. Die Telefon-Nummer lautet 0800 – 33 44 533.

Was die Behandlung einer Depression kostet

Psychotherapien bei Depressionen werden in der Regel von allen gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen. Dennoch macht es Sinn, sich vorab von der Krankenkasse eine Zusage zu holen, dann erfährt man auch die Anzahl der Sitzungen, die gezahlt werden. Die Kassen übernehmen auch sogenannte „probatorische Sitzungen“, die dem Kennenlernen des Therapeuten und der Methoden sowie der Beantragung der Therapie bei der Kasse dienen.

Für den Antrag einer Therapie bei einem psychologischen Psychotherapeuten ist ein Besuch bei einem Psychotherapeutischen Facharzt notwendig, der eventuelle körperliche Beschwerden prüft. Dieser kann auch für den Fall, dass du das möchtest, Antidepressiva verschreiben. In der Regel kann der/die Therapeut/Therapeutin jemanden nennen. Die Behandlung aber findet in der Praxis des Psychotherapeuten statt. Die Chancen einer Heilung sind sehr gut, vor allem wenn man nicht zu lange wartet.

Wenn dich die Depressionen bereits erdrücken

Wenn du dich bereits sehr schlecht fühlst, dich mit Schmerzen durch den Tag schleppst oder dich mit Suizidgedanken quälst, dann wende dich bitte sofort an die nächste Klinik. Schaue in dieses Verzeichnis, welche Klinik in deiner Umgebung eine psychotherapeutische oder psychiatrische Abteilung hat: Klinikadressen. Kliniken haben den Vorteil, dass sie an jedem Tag, auch am Wochenende, rund um die Uhr für dich und jeden Hilfesuchenden erreichbar sind. Nutze diese Möglichkeit, wenn du Hilfe brauchst. Wenn es dir sehr schlecht geht, dann kannst du dich auch an den Notarzt unter der Telefonnummer 112 wenden. Sorge für dich und werde aktiv!

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